Berlin 3

Georg Heym

Berlin 3

Der Zug hielt eine Weile in den Weichen.
Von einem Tone ward das Ohr gefangen.
Von eines alten Hauses Mauern klangen
Drei Geigen schüchtern auf mit dünnem Streichen.

Drei Männer spielten in dem Hofe leise,
Von Regen waren naß die Pelerinen.
Der Blinden Schirm trug einer unter ihnen.
Die Kinder standen um sie her im Kreise.

Indes am niedren Bodenfenster oben
Ein alter Mann sah auf zum Wolkenfalle
Die stürmend sich am grauen Himmel schoben.

Der Zug fuhr an. Wir brausten in die Halle
Des Bahnhofs ein, die voll war von dem Toben
Des Weltstadtabends, Lärm und Menschenschwalle.

[1910]

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