Begegnung
Ich gleite auf stählernen Schuhen
Dahin über endloses Eis;
In den dämmernden Spreewaldhallen
Umschwirren die Flocken mich weiß.
Da schweben im schweigsamen Zuge
Mir dunkle Gestalten vorbei;
Ich hemme den Lauf, um zu spähen,
Ob Traum es, ob Wirklichkeit sei.
Es huscht auf niederem Schlitten
Vorüber ein Totenschrein,
Gezogen von Spreewaldwenden,
Geleitet von schwarzen Reih?n.
Ich starre erstaunt, erschrocken,
In Weiten schon fliegt der Zug;
Es dünkt der beklommenen Seele
Wie nächtlicher Geisterspuk.
So führt der Spreewaldbewohner
Die Toten zur letzten Ruh?
Im Flug über Eisefelder
Dem fernen Friedhof zu.
[Ewald Müller (1826-1932), Heimatdichter und Volkskundler, wurde in Drebkau geboren und wirkte von 1882-1924 als Mittelschullehrer in Cottbus.]